Willy-Brandt Medaille für Peter Wirkner und 40 Jahre Mitgliedschaft von Gerhard Zörb

Veröffentlicht am 11.03.2016 in Ortsverein

Gerhard Zörb, MdB a.D. Gert Weisskirchen und Peter Wirkner

Die SPD Mühlhausen ehrte zwei ihrer „Urgesteine“

Peter Wirkner empfing auf der Winterfeier des Ortsvereins die Willy-Brandt-Medaille – Gerhard Zörb für 40 Jahre Mitgliedschaft geehrt

Mühlhausen/Rauenberg. (oé) Beide sind sie „Urgesteine“ der Mühlhausener SPD, und beide haben sich über Jahrzehnte in den unterschiedlichsten Ämtern engagiert, jetzt wurden sie von der Sozialdemokratischen Partei für ihre Verdienste und ihre Treue geehrt: Die Rede ist von Gerhard Zörb, der die Ehrennadel für 40 Jahre Mitgliedschaft empfing, und von Peter Wirkner, der mit der Willy-Brandt-Medaille ausgezeichnet wurde. Bei der Winterfeier der Mühlhausener SPD in der der Rauenberger Tierparkklause sprachen der Bundestagsabgeordnete Dr. Lars Castellucci und sein Vorgänger Gert Weisskirchen die Laudationes auf die Geehrten.

Eigentlich sei er sogar schon 42 Jahre dabei, erinnerte sich Gerhard Zörb schmunzelnd zurück. Er lebte damals in Malsch und arbeitete im dortigen Ortsverein mit, „ohne Mitglied zu sein“. In einer Familie mit langer Arbeitertradition groß geworden, war es der seinerzeit erwachende Widerstand gegen die Sondermülldeponie, der den Pädagogen zur Malscher SPD führte. Als er dann nach Mühlhausen umzog, wurde er auch ganz offiziell Mitglied der Partei und entfaltete eine lange und fruchtbare Tätigkeit unter anderem als Ortsvereinsvorsitzender und als Gemeinderat, der er jahrzehntelang war.
Als einen „durch und durch politischen Kämpfer“ würdigte ihn Lars Castellucci und als jemanden, dem der Gerechtigkeitssinn und der Blick fürs Soziale „in den Genen“ liege. Rastlose Energie und Hartnäckigkeit sind nach Einschätzung seiner Laudatoren andere Eigenschaften Gerhard Zörbs, der in seiner Jugend nicht von ungefähr ein ambitionierter 800-Meter-Läufer war, wie Gert Weisskirchen erinnerte. Hinzu komme „eine gute Portion Humor“. Dass die SPD-Familie im Mühlhausener Ortsverein immer so lebendig geblieben sei, habe „viel mit Gerhard Zörb zu tun“, befand Lars Castellucci.
Inzwischen hat sich der Jubilar zwar aus der ersten Reihe zurückgezogen, die Politik lässt ihn aber immer noch nicht los, wie seine Dankesworte deutlich machten. So vermisst er bei seiner Partei heute eine „stringente Agenda, wo das, was sozialdemokratisch ist, klar zum Ausdruck kommt“.
Gerhard Zörb hatte die Willy-Brandt-Medaille bereits vor einem Jahr bekommen, als die SPD Mühlhausen ihren 40. Geburtstag feierte. Diesmal durfte Peter Wirkner diese höchste Auszeichnung für ein SPD-Mitglied in Empfang nehmen. Der Geehrte selber fragte sich zwar, womit er diese Ehre verdient habe, die Laudatio Gert Weisskirchens machte dies jedoch überdeutlich. Der frühere Bundestagsabgeordnete schilderte seinen langjährigen politischen Weggefährten als gleichsam exemplarischen Bürger dieser Republik. Sein stetes Bestreben sei es gewesen, die „großen humanen Ziele“ der Sozialdemokratie, nämlich Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität, mit einer mitunter ganz anders funktionierenden Realität in Einklang zu bringen und so für „ein klein wenig mehr Menschlichkeit in der Gesellschaft zu sorgen“. Dabei suchte der inzwischen pensionierte wissenschaftliche Direktor der Fachhochschule der Bundesagentur für Arbeit in Mannheim bewusst den engen Schulterschluss gerade mi
t den Betriebsräten, die „als Pfeiler der sozialen Demokratie unverzichtbar“ seien.
Gert Weisskirchen nannte aber noch ein anderes Ziel, das Peter Wirkner nie bloß rhetorisch, sondern stets ganz praktisch und „aus innerer Überzeugung“ verfolgt habe: nämlich die Überwindung der deutschen Teilung. Weisskirchen zufolge hatte dies auch etwas mit der Biografie des Jubilars zu tun, der zwar in Mannheim geboren wurde, dessen Familie aber aus dem Sudetenland stammt. Es war eine „durch und durch bürgerliche Familie“, wie Peter Wirkner selbst erzählte. Das war auch der Grund, warum dessen politischer Weg bei der Jungen Union begann. Vor allem zwei Männer haben ihn schließlich zur Sozialdemokratie geführt: einmal Gert Weisskirchen und dann vor allem Willy Brandt und dessen Ostpolitik, die der Erkenntnis folgte, dass man „miteinander reden muss, wenn man keinen Krieg will“.
So trat Peter Wirkner 1975 der SPD bei und blieb der Partei seither treu „mit allen Höhen und Tiefen“. Sein Dank galt den vielen Wegbegleitern, die ihn unterstützt haben (etwa 2006 bei seiner Kandidatur für den Landtag), und er schloss mit einem „zeitlosen Wort“ Willy Brandts: dass man die Welt zwar so nehmen müsse, wie sie sei. Dass sich die Arbeit aber schon gelohnt habe, wenn man sie nur „ein kleines Stückchen besser macht“. Wirkner betonte dies vor dem Hintergrund neuer „totalitärer Versuchungen“, die ihm eine „Riesenangst“ machten. Er leitete daraus die Verpflichtung ab, eine „Weltgesellschaft“ zu schaffen „um unserer Kinder willen“.
Zu Beginn der Veranstaltung hatte der Ortsvereinsvorsitzende Ali Tahta die Mitglieder und Gäste begrüßt, auf das Jubiläumsjahr 2015 zurückgeblickt und die politischen Herausforderungen der Gegenwart wie Bürgerkriege und Flüchtlingsströme umrissen. Das Schlusswort hatte die Landtagskandidatin Dr. Andrea Schröder-Ritzrau, die die Mitglieder kämpferisch auf den aktuellen Wahlkampf einschwor: Mit 15 Prozent wolle sich die SPD „bei der guten Arbeit“ ihrer Landesminister jedenfalls nicht abspeisen lassen.

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