Ganztagesunterricht in der Kraichgauschule

Veröffentlicht am 17.12.2024 in Gemeinderatsfraktion

In der Gemeinderatssitzung vom 28.12. wurde von der Schulleitung der Kraichgauschule, Rektor Holger Menges und Konrektorin Claudia Botz, die Vorbereitung zur Ganztagesbetreuung ab der ersten Klasse vorgestellt. In welcher Ausgestaltung der Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung umgesetzt wird, ist vom Gemeinderat im zweiten Quartal 2025 zu entscheiden.

Bei der Diskussion um die Ganztagesbetreuung der Kinder standen in der Diskussion im Gemeinderat organisatorische und Fragen der Vereinbarung mit der Freizeitplanung der Eltern im Zentrum. Auch die Berichterstattung in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 16.12. reduzierte auf formale und organisatorische Aspekte. So aufwendig sie zu lösen sind und so unbefriedigend neue Freizeitgestaltungen für Familien sein mögen, so unmissverständlich sind jedoch die Chancen einer Ganztagesbetreuung für Kinder, um altbekannte Schwächen des deutschen Bildungssystems zumindest zu lindern. Nach dem Schock der PISA-Studie von 2001, die Deutschland im internationalen Vergleich erhebliche Bildungsschwächen attestierte und die auf eine besonders ausgeprägte Bildungsungerechtigkeit verwies, waren Reformen längst überfällig. Um soziale Benachteiligung abzubauen sind insgesamt vielfältige Veränderungen erforderlich, eine dieser Veränderungen betrifft die Betreuung der Kinder außerhalb des regulären schulischen Betriebs.

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Im Kern der Ganztagesbetreuung stehen qualitativ hochwertige Betreuungsangebote, die den Kindern und Jugendlichen das Erleben von Autonomie und Kompetenz ermöglichen und eine ausgewogene Mischung aus fachlichen und freizeitbezogenen Ganztagsangeboten beinhalten. So wichtig grundlegende Kulturtechniken, wie Lesen, Schreiben und Rechnen (und der Umgang mit Digitaltechnik) sind, so wenig darf jedoch Bildung auf diese Fertigkeiten reduziert werden. Die seit geraumer Zeit verschärft auftretenden Sozialprobleme sind zumindest in Teilen die Folge einer Vernachlässigung sozialer Lernaspekte: Der konstruktive Umgang mit Konflikten, die Fähigkeit die Situation und die Perspektive anderer Personen nachzuvollziehen, die Bereitschaft und Motivation zur Entwicklung gemeinschaftlicher Problemlösungen u.v.a.m. Sie bilden, neben den genannten Kulturtechniken, die Grundlage für unsere moderne, demokratische, arbeitsteilige und somit reichlich komplexe Gesellschaft. Dieses erweiterte Lernen benötigt jedoch Raum. Er kann bereitgestellt werden durch eine qualitativ hochwertige Ganztagesbetreuung, wie sie auch in der Kraichgauschule umgesetzt werden soll. Diese Veränderungen sind daher wichtig und sollten auch in der Öffentlichkeit als positive Schritte zu einem modernen Bildungssystem verstanden werden.

Da nunmehr seit rund 20 Jahren Bildungsforschungen die praktische Umsetzung der Ganztagesbetreuung begleitet, werden allmählich solide Informationen zu dieser Reform der schulischen Betreuung verfügbar. Diese Forschung zeigt, dass qualitativ hochwertige außerunterrichtliche Angebote sich positiv auf die Motivation, das Wohlbefinden und letztlich auch auf die Notenentwicklung der Kinder und Jugendlichen auswirken. Verwiesen werden kann hierbei u.a. auf das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation, das Deutsche Jugendinstitut und das Institut für Schulentwicklungsforschung an der Technischen Universität Dortmund.

Die Realisierung der Ganztagesbetreuung wird nicht einfach werden, der Mangel an Finanzmittel, geeigneten Räumlichkeiten und Fachpersonal stellt eine erhebliche Hürde dar, sie muss jedoch genommen werden, denn es geht um viel, es geht um die Zukunft der Kinder.

Für die SPD: Dr. Michael Mangold (Gemeinderat)

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