Stellungnahmen zum Kurswechsel in der in der Bildungspolitik

Veröffentlicht am 25.07.2007 in Landespolitik

„Weg vom Aussortieren, hin zur individuellen Förderung“

Auch fünf Jahre nach den alarmierenden Ergebnissen der ersten PISA-Studie stehen in Baden-Württemberg die entscheidenden Reformen nach Ansicht der SPD noch immer aus. Aus ideologischen Gründen weigere sich die Landesregierung, die Konsequenzen aus der Studie zu ziehen und in politisches Handeln umzusetzen, kritisiert der Vorsitzende des Schulausschusses im Landtag, der SPD-Abgeordnete Norbert Zeller.

Die Landesregierung sperre sich noch immer gegen die Erkenntnis, dass Kinder mit unterschiedlicher Leistungsfähigkeit in gemeinsamen Lerngruppen am erfolgreichsten unterrichtet werden können. Die SPD-Landtagsfraktion fordere deshalb mit Nachdruck längere gemeinsame Lernzeiten und die Einführung echter Ganztagsschulen an allen Schularten.
Die Verlierer der CDU/FDP-Bildungspolitik in Baden-Württemberg seien insbesondere Kinder aus sozial schwachen Familien und Kinder mit Migrationshintergrund, die überproportional häufig auf Haupt- und Förderschulen verwiesen würden. „Ministerpräsident Oettinger und Kultusminister Rau verkennen, dass (fast) niemand mehr freiwillig die Hauptschule besuchen will“, kritisierte Zeller. Die Schülerzahlen gingen in dieser Schulart dramatisch zurück.
Die Ergebnisse der PISA-Studie hätten deutlich gemacht, dass Bildungschancen in Baden-Württemberg wie in fast keinem anderen Bundesland von der sozialen Herkunft abhängen. Dies sei ein „bildungspolitischer Offenbarungseid“, den sich das Land schon aus ökonomischen Gründen nicht mehr leisten könne, so Zeller. Oberstes Ziel aller bildungspolitischen Maßnahmen müsse deshalb sein, allen jungen Menschen gleiche Bildungschancen zu gewähren.
Zeller forderte ein radikales Umdenken in der Organisation der Schulen als Grundbedingung für eine bessere Förderung jedes einzelnen Schülers. „Das derzeitige gegliederte Schulwesen behindert die neue Form schulischen Unterrichtens und Förderns. In diesem System dominiert das Ausleseprinzip, anstatt Kinder und Jugendliche besser individuell zu fördern.“ Kein geringerer als „Mister PISA“, Jürgen Baumert, habe erst kürzlich in einem Interview mit dem Tagesspiegel (3. November 2006) diesen Zusammenhang von Schulstruktur und Lernbedingungen erneut betont.
Auch im wichtigen Bereich der Ganztagsschule habe die Landesregierung lange Zeit blockiert und sei erst durch das IZBB-Bildungsprogramm der Regierung Schröder („Investitionsprogramm Zukunft Bil-dung und Betreuung“) zur „Einsicht“ gezwungen, wirft Zeller CDU und FPD vor. „Echte Ganztags-schulen mit Präsenzzeiten für Lehrkräfte auch am Nachmittag schaffen bessere Lernbedingungen für leistungsschwache und für leistungsstarke Schüler.“ Voraussetzung sei allerdings, dass zusätzliches pädagogisches Personal vorhanden sei.
Die Kürzung von Lehrerstellen sei deshalb der falsche Weg und bedeute zudem den Bruch eines zentralen Wahlversprechens der Landesregierung.
Die Infragestellung der Pisa-Ergebnisse durch Kultusminister Rau kann Zeller nicht teilen. Zwar gebe es in kleinerem Rahmen Fehler, was bei einer so gigantischen Operation ganz normal sei. Doch die Grundaussagen von PISA stimmten, auch wenn sie der Landesregierung in Baden-Württemberg nicht genehm seien.

SPD-Kampagne zum Bildungsaufbruch in Baden-Württemberg

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion Mentrup stellte das Konzept zur SPD- Kampagne „Bildungsaufbruch in Baden-Württemberg“ vor. Gebundene Ganztagsschulen sind ein Teil des Konzeptes neben Kitas und dem berufsbegleitenden Lernen. Er verglich die Bildungschancen in Baden-Württemberg mit einem Lotteriespiel und betonte den Wert von Bildung als Voraussetzung für Teilhabe in einer Gesellschaft - beruflich und kulturell.
Der Bildungspolitiker benannte die Forderungen der oppositionellen SPD- Fraktion im Landtag: Mehr Lehrerstellen, keine frühzeitige Separierung der Schüler, stärkere individuelle Förderung und wohnortsnahe Ganztagsschulen. Er betonte, dass Schule mehr als Vermittlung von Fachwissen sein sollte, auch soziale, musische und motorische Fähigkeiten sollten vermittelt werden.
Mentrup griff die Landesregierung an, die den Ausbau von Ganztagsschulen erst durch das IZBB-Bundesprogramm der Schröder-Regierung und auch nur zögerlich in Angriff genommen habe. Außerdem kritisierte er, dass häufig nur die qualitativ schlechtere offene Ganztagsschulen angeboten werden und dass die Landesregierung zu wenig Lehrer einstelle.

Zukunft des Schulsystems

MdL Norbert Zeller: Der Kultusminister hält stur am gegliederten Schulsystem fest, entgegen dem Rat der Fachleute und zu Lasten der Bildungschancen der jungen Menschen.
Die SPD-Landtagsfraktion fordert Kultusminister Rau auf, mit allen Beteiligten einen vorurteilsfreien Dialog über längeres gemeinsames Lernen zu führen, statt stur am gegliederten Schulsystem festzuhalten. Es sei ein Zeichen der Dialogunfähigkeit und der Schwäche des Kultusministers, dass er die Verfasser des offenen Schulleiterbriefes zum Rapport ins Regierungspräsidium Tübingen einbestellen lasse und dann noch nicht mal den Mut aufbringe, selber mit den Rektoren zu sprechen, sagte der Vorsitzende des Schulausschusses im Landtag, Norbert Zeller.
Zeller: Der Kultusminister darf die überzeugenden Argumente der Schulpraktiker und der Wissenschaft für den Paradigmenwechsel hin zum integrativen Schulsystem nicht länger einfach vom Tisch wischen. Er muss sich den Gegnern des selektiven Schulsystems stellen, und zwar im Interesse der besseren Förderung aller Kinder und Jugendlichen.
Die frühe Trennung von Kindern nach der vierten Klasse sei Bildungspolitik von vorgestern und widerspreche allen Erkenntnissen über eine gerechte Verteilung von Bildungschancen. Zahlreiche Schulpraktiker sowie Experten aus Wissenschaft und Wirtschaft forderten den Wechsel vom selektiven zum integrativen Schulsystem. Auch der PISA-Koordinator der OECD, Andreas Schleicher, habe seine Forderung nach einem radikalen Umdenken in der Organisation der Schule bekräftigt.
Zeller: Über Raus ideologische Verbohrtheit schütteln die Fachleute nur noch den Kopf. Das eigentlich Schlimme dabei ist, dass diese Politik zu Lasten der Bildungschancen und Lernbedingungen der Kinder und Jugendlichen geht. Helmut Zorell, Pressesprecher, (www.spd.landtag-bw.de), (gz)

 

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