Der Meinungsbildungsprozess bei der Konzeptvergabe

Veröffentlicht am 02.03.2021 in Gemeinderatsfraktion

Die SPD-Fraktion des Gemeinderats freut sich über die konstruktive Zusammenarbeit mit den Freien Wählern und den Grünen im Zusammenhang mit dem Antrag zur Konzeptvergabe. Hierbei geht es um die Vergabe von Immobilien in kommunalem Eigentum anhand von Kriterien der Gemeinunwohlorientierung und Nachhaltigkeit, wie in der Gemeinderundschau Nr. 3 vom 21.01.2021 näher erläutert wurde.

Es ist für eine Gemeinde im praktischen Handeln und grundsätzlich für die Demokratie wesentlich, dass Vertretern unterschiedlicher Parteien eine Verständigung zu wichtigen Themen möglich ist. Dazu gehören zweifelsohne der Themenbereich Wohnen sowie Klima- und Umweltschutz, wie er mit dem Begriff der Nachhaltigkeit mittlerweile allgemeine Anerkennung erfuhr.

Beim Thema Konzeptvergabe – aber auch bei allen anderen politischen Entscheidungen – kommt der Meinungsbildung vor einer Entscheidung eine besonders hohe Bedeutung zu. Es muss zuerst auf der Basis von Informationen ein Meinungsbildungsprozess in Gang gesetzt werden, dabei werden Argumente geprüft und vor dem Hintergrund eigener Wertvorstellungen bewertet. Dabei muss es möglich sein, auch seine Meinung zu einem Sachverhalt zu ändern, denn Meinungsbildungsprozesse sind auch Lernprozesse. Die sachlich richtige Darstellung eines Sachverhaltes macht es aber erst möglich eine Meinung zu bilden. Das klingt selbstverständlich, gleichwohl werden oftmals ritualhaft Vorschläge oder Anträge von Parteien abgelehnt; Gründe findet man – auch wenn manchmal die Fakten angepasst werden müssen – dafür praktisch immer.

Im konkreten Fall der Konzeptvergabe hat die CDU-Fraktion jedoch besonders wenig Mühe aufgewendet, die Ablehnung eines Antrags zu begründen. So verwies sie zur Ablehnung des gemeinsamen Antrags von SPD, Freien Wählern und den Grünen darauf, dass man doch bereits eine Konzeptvergabe praktiziere und nennt hierfür die Vergabe von Gewerbeflächen und „Im Riegel“ als Beleg. Bereits eine sehr oberflächliche Beschäftigung mit dem Thema Konzeptvergabe zeigt jedoch, dass diese Argumentation auf falschen Sachaussagen beruht und die Begründung der Antragsteller gerade besonders stützt: Es werden in verschiedenen Fällen, je nach den Bedingungen, unterschiedliche Kriterien herangezogen. Aber mit der Konzeptvergabe soll gerade eine Verständigung innerhalb der Gemeinde über allgemein geltende Kriterien erfolgen und diese Kriterien sollen gemeinsam festgelegt werden. Wie im Antrag ebenfalls ausgeführt, sollen auch bisher vorhandene Ideen in die Arbeit des Ausschusses einfließen und hierdurch eine vollumfängliche Betrachtung möglich werden. Schließlich soll es nicht so sein, dass bei einem Einzelfall eine Regel gilt, die bei einem anderen Fall nicht herangezogen wird. In Recht und Gesetz ist man mit derartigen allgemein geltenden Regeln in den letzten hundert Jahren – bis auf eine bekannte Auszeit des demokratischen Rechtsstaats - insgesamt recht gut gefahren.

Neben dem Gleichheitsgrundsatz wird hierbei auch die Transparenz für alle Beteiligten gestärkt: Die Konzeptvergabe macht öffentlich welche wertbezogenen Regeln allgemein für die Vergabe von kommunalem Eigentum gelten. Nach dem Vorschlag der SPD-Fraktion sollen Gemeinwohlorientierung und Nachhaltigkeit deutlichen Vorrang vor anderen Kriterien einnehmen. Und da die Kriterien der Konzeptvergabe bereits vor der Bewertung durch die Auswahlgremien der Verwaltung öffentlich gemacht werden, verändern sie auch die Angebote. Es vollzieht sich dadurch ganz allmählich eine sehr wünschenswerte Hinwendung der eingereichten Angebote von Interessenten zugunsten ökologischer Bauprojekte und eine verstärkte Aufmerksamkeit für Wohnungsbauprojekte einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen. Architekten und Planer werden durch gemeinwohlorientierte Regeln aufgefordert Bauprojekte zu entwickeln, die es auch Familien mit einem geringeren Einkommen oder Vermögen ermöglichen soll, solide und sichere Wohnverhältnisse für sich und ihre Kinder zu schaffen. Das sind die Ziele, die die SPD-Fraktion mit der Konzeptvergabe verfolgt und für die sie um Unterstützung bei den anderen Parteien wirbt.

Die hier nur grob skizzierten Überlegungen machen das aus, was als Meinungsbildungsprozess zu verstehen ist. Es geht nicht um ein Abfragen von bereits vorgefertigten Meinungen und auch nicht um ad-hoc-Entscheidungen, sondern um einen Lernprozess. Dabei sollte klar sein: Wir brauchen unterschiedliche Sichtweisen – auch verschiedene Wertvorstellungen – um für die Gemeinde in wichtigen Fragen richtig entscheiden zu können. Dieses Ringen um die beste Lösung setzt jedoch voraus, dass die zu entscheidenden Sachfragen richtig dargestellt werden.

Hier geht's zum Webauftritt der Bundes SPD

SPD-Mitglied werden!

Mitglied werden!

Unser Abgeordneter für den Bundestag

News-Ticker

Tag der Pressefreiheit: Wir schützen Journalist:innen und stärken die Medienvielfalt. Martin Rabanus, kultur- und medienpolitischer Sprecher: Am Tag der Pressefreiheit zeichnet sich eine desolate Entwicklung für Journalist:innen weltweit ab. Die SPD-Bundestagsfraktion fordert deshalb konsequenten Schutz und eine Digitalsteuer, die den Medienstandort Deutschland und Europa sichert. "Am Tag der Pressefreiheit geht es um mehr als um… Martin Rabanus zum Tag der Pressefreiheit weiterlesen

01.05.2026 15:23
Armand Zorn zum Tankrabatt.
Wir entlasten schnell und spürbar Über die befristete Senkung der Energiesteuer ist es möglich, sehr schnell jene spürbar zu unterstützen, die es dringend brauchen. Jetzt kommt es darauf an, dass die Mineralölkonzerne die Steuersenkung an die Verbraucher:innen weitergeben und die Preise entsprechend senken. Mit der weiteren Schärfung des Kartellrechts muss rasch der dritte Teil unseres… Armand Zorn zum Tankrabatt weiterlesen

Die SPD ruft zur Teilnahme an den diesjährigen Kundgebungen des DGB zum Tag der Arbeit am 1. Mai auf. Ganz im Sinne des diesjährigen Mottos "#GEMA1NSAM - Für gute Arbeit" kämpft die SPD an der Seite der Gewerkschaften für eine Entlastung der Beschäftigten und eine sichere Rente, für mehr Tarifbindung, einen höheren Mindestlohn und eine… Zum Tag der Arbeit: SPD-Spitze an der Seite der Gewerkschaften weiterlesen

Eine verlängerte Nutzung von Kohlekraftwerken nach 2038 wäre weder notwendig noch sinnvoll Die Erneuerbaren sind die sauberste, sicherste und kostengünstigste Form der Erzeugung.  Es bedarf allerdings nun auch des entschlossenen Willens der Koalition und der federführenden Bundeswirtschaftsministerin, die gesetzlichen Hebel weiter auf eine systemische Umstellung zur Nutzung Erneuerbarer Energien zu stellen. "Eine verlängerte Nutzung von… Nina Scheer zur Reaktivierung von Kohlekraftwerken weiterlesen