Veranstaltung: Gedenken und Erinnern an den Holocaust

Veröffentlicht am 25.02.2006 in Veranstaltungen

Die Gedenkveranstaltung der SPD in Sandhausen für die Opfer des Nationalsozialismus ist gelungen. Mit dabei war unser Bundestagsabgeordneter Gert Weisskirchen, auf dessen Initiative die Veranstaltung zurückgeht und unser Landtagskandidat Peter Wirkner.

Sandhausen. Auf Initiative des SPD-Bundestagsabgeordneten Prof. Gert Weisskirchen, der persönlicher Beauftragter des OSZE-Präsidenten zur Bekämpfung des Antisemitismus ist, fand eine Gedenkveranstaltung anlässlich des 61. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz am Freitag, den 27. Januar in der Ehemaligen Synagoge in Sandhausen statt. In seiner Begrüßung der über 30 anwesenden Genossinnen, Genossen und Gästen aus dem gesamten Rhein-Neckar-Kreis ging der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Thomas Schulze auf die Geschichte der Ehemaligen Synagoge ein. Diese war 1938 „in böser Zeit entwürdigt und missachtet dem Verfall preisgegeben“, wie es auf der Gedenktafel zu lesen ist.

Danach würdigte Weisskirchen den an diesem Tage verstorbenen Alt-Bundespräsidenten und großen Sozialdemokraten Johannes Rau. „Politik ist verwirklichte Liebe am Menschen.“ Dieses Zitat von Hannah Arendt beschriebe das Wirken Raus, so Weisskirchen. Rau habe als erster Deutscher vor der Knesset, dem israelischen Parlament, eine vielbeachtete Rede gehalten, sich zur Freundschaft zum israelischen Volk bekannt und Verantwortung an der Seite der Verfolgten übernommen. Seine Vorbilder waren Gustav Heinemann und Willy Brandt. Rau war ein Christenmensch, der Hilfe angeboten habe und mit dem Herzen zu den Menschen gesprochen habe. Er war ein Bundespräsident für alle Menschen.

Der Rechtsextremismusexperte und SPD-Landtagskandidat Peter Wirkner berichtete über die Geschichte Auschwitzs, einer kleiner Stadt in Polen, die zum Standort von Konzentrationslagern für über eine halbe Million Menschen wurde. Einige Städte sind ein zeitloses Symbol: Athen für Demokratie, New York für Freiheit. Aber wofür steht Auschwitz? Für bürokratisch organisierten Massenmord, dem Höhepunkt der Judenvernichtung. „Diese Tatsache ist schon belastend genug“, so Wirkner, aber dennoch wird immer wieder, Auschwitz als Symbol von Antisemiten und Neonazis trotz historischer Dokumente in Frage gestellt. Die Reichspogromnacht, die Diskriminierung, soziale Ausgrenzung und Entrechtung, die wirtschaftliche Entmachtung, „war das alles nichts?“ fragte Wirkner. „Nie wieder! Ist das nicht ein frommer Wunsch?“, so Wirkner weiter und führte die Verbrechen der Roten Khmer, die Bürgerkriege in Afrika in den 80er Jahren und die ethnischen Säuberungen in Ex-Jugoslawien an. „Wenn wir eine Barriere, die Bilder im Kopf haben“, können wir den Holocaust zukünftig verhindern. Zum Schluss zitierte Wirkner Jean-Paul Sartre: „Das Böse für das gute Tun“ – der Antisemit ist alles, nur eins nicht, ein Mensch.

Die Rolle der Täter, Opfer und Zuschauer werde noch sehr lange Zeit Gegenstand der Geschichtsforschung in Deutschland, Europa und der Welt sein. Es sei eine Ungeheuerlichkeit, dass der Holocaust immer wieder in Frage gestellt werde. „Es ist nicht zu verstehen, wozu Deutsche fähig waren“, so Weisskirchen. Die Begriffe Holocaust und Auschwitz werden unauslöschlich mit Deutschland verbunden. Was Nationalsozialisten den Juden zugefügt haben, ist der Tiefpunkt deutscher Geschichte. Wie kann man im Unterricht gedenken? Für die Erziehung sah Weisskirchen drei Grundbedingungen, damit der Holocaust nicht in Vergessenheit geraten könne:
1.Wissen: Das Thema wird in der Schule zu wenig und zu konzentriert unterrichtet.
2.Haltung: Junge Menschen müssen sich demokratischen Verhalten aneignen.
3.Handeln: Wo immer Menschenfeindliches geschieht, gilt es sofort aufzustehen und dagegen anzugehen.
„Es darf kein Einknicken geben und man muss hart sein gegen den Antisemitismus“, forderte Weisskirchen. „Die Erinnerung soll uns eine Lehre sein und ist die stärkste Macht gegen das Vergessen!“

Artikel:
Dr. Matthias Horn
Pressereferent der SPD Sandhausen
Waldstraße 24
69207 Sandhausen

Veröffentlicht am 25.02.2006

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