Die Energiewende ist auch in Mühlhausen möglich

Veröffentlicht am 11.04.2019 in Veranstaltungen

Die Referentin Tanja Gaudian (EWS) erläutert die Dringlichkeit energiepolitischen Handelns

„Was können Bürger und was kann die Gemeinde tun, angesichts der sich abzeichnenden Klimakatastrophe?“ Diese Frage stand im Zentrum der Informationsveranstaltung am 09.04.2019 im Bürgerhaus der Gemeinde Mühlhausen.

Der SPD-Ortsverein Mühlhausen-Tairnbach-Rettigheim konnte von den Elektrizitätswerken Schönau Frau Tanja Gaudian als Referentin zu diesem gleichermaßen hochaktuellen, wie komplexen Thema gewinnen. Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Holger Schröder begrüßte die Teilnehmer der Veranstaltung und wies darauf hin, dass die Proteste der Schüler unter dem Namen „Fridays for Future“ Ausdruck des wachsenden Umwelt- und Klimabewusstseins der Jugendlichen sei und die Politik gut beraten wäre, diese Bewegung ernst zu nehmen. Die Klimaentwicklung sei eines der wichtigsten Themen unserer Zeit geworden und daher sei es sehr begrüßenswert, dass auch ziviler Ungehorsam als Mittel für die Ausübung politischen Drucks gewählt wird. Dr. Michael Mangold vom Institut für Angewandte Wirtschaftsforschung an der Universität Tübingen machte in seiner thematischen Einführung darauf aufmerksam, dass seit 1990 eine kontinuierliche Zunahme der Elektrizität aus erneuerbaren Energien, aber zugleich seit 2007 auch ein deutlicher Rückgang an Investitionen im Gesamtbereich der erneuerbaren Energien festzustellen sei. Auch erläuterte er, dass es nicht den Grundsätzen unserer Demokratie entspräche, wenn, so der FDP-Vorsitzende Christian Lindner, den „Experten“ die Zuständigkeit für Klimaschutz zugesprochen wird. Vielmehr läge die Erarbeitung von soliden Entscheidungsgrundlagen im Zuständigkeitsbereich der Wissenschaft, ihre Bewertung und letztlich die Verantwortung für daraus zu treffende Entscheidungen jedoch bei der Politik. Dies sei eigentlich eine unmissverständliche Aufgabenaufteilung in einer demokratischen Gesellschaft. Ebenso wie es die Aufgabe der Öffentlichkeit und der Zivilgesellschaft sei, Standpunkte zu diskutieren, Meinungen zu bilden und gegebenenfalls sich öffentlich für diese Anliegen einzusetzen.

Den Hauptteil der Informationsveranstaltung bestritt die Vertreterin der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) mit einem umfassenden Vortrag zur gegenwärtigen Klimasituation, der Entstehungsgeschichte der EWS und den zahlreichen Möglichkeiten als Gemeinde und als einzelner Bürger zu handeln. Frau Gaudian berichtete aus der Vorgeschichte der EWS, die in der Anti-Atomkraftbewegung wurzelt und nicht nur ein Kampf gegen Atomkraft, sondern alsbald ein Kampf für erneuerbare Energiequellen wurde. Im Jahr 1994 gegründet, entwickelte sich die EWS nach der Überwindung zahlreicher Hindernisse zu einer bundesweit arbeitenden und überaus erfolgreichen Genossenschaft mit 200.000 Kunden und 120 Angestellten. Die EWS ist neben ihrem Versorgungsgeschäft ebenfalls stark im Bereich der Beratung tätig, für Einzelkunden gleichermaßen, wie für Kommunen. In Stuttgart hat die EWS mit der Stadt eine Vertriebsgesellschaft gegründet, ebenso in Tititsee-Neustadt, wo der Versorger zusätzlich auch Netzbetreiber ist. Hier ist sogar eine lokale Bürgergenossenschaft beteiligt. Die Erfahrungen sind durchweg positiv: Bei stabilen Energiepreisen konnten Services und Dienstleistungen ausgeweitet und neue Projekte im Bereich Nahwärme und Digitalisierung in Angriff genommen werden.

Die Teilnehmer konnten sich ein differenziertes Bild zur Situation im Bereich der erneuerbaren Energie sowie zu den konkreten Handlungsmöglichkeiten machen. Unter den vielen Einzelaspekten sei beispielsweise die positive Bedeutung von Erdgas als Übergangsenergiequelle zu nennen. Der schnelle Ausstieg, insbesondere aus der Kohleenergie, könne durch Erdgas abgefedert werden, bis der Übergang in das Zeitalter der erneuerbaren Energie vollziehbar ist. Hervorzuheben sei auch die überaus preisgünstige Versorgung durch die EWS, so dass der Nutzung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen auch keine Kostengründe entgegenstehen. Die gewünschte Vereinbarkeit von Ökologie mit Wirtschaft  bzw. Wirtschaftlichkeit wird nicht zuletzt durch die große Anzahl von Unternehmenskunden der EWS belegt, die vom Drogeriemarkt Karlsruhe über Ritter Sport bis zum Modelabel hess natur reicht. Auch in und von der Gemeinde Mühlhausen, so das Fazit der Veranstaltung, könnte ein Beitrag zur Abwendung der Klimakatastrophe geleistet werden.

 

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