"Avantgarde und Volkspartei": Die Geschichte der SPD in Baden-Württemberg

Veröffentlicht am 24.04.2013 in Aus dem Parteileben

Der deutsche Südwesten gilt nicht gerade als Stammland der Sozialdemokratie. Umso überraschender mag es so manch einem anmuten, dass ausgerechnet hier die allerersten „socialen Demokraten“ der deutschen Geschichte für Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität gestritten haben - und zwar schon lange vor der Parteigründung vor nunmehr genau 150 Jahren.

Beim letzten Monatstreff des SPD-Ortsvereins Mühlhausen am vergangenen Dienstag in der Kraichgaustube in Mühlhausen wurde die Geschichte der Sozialdemokraten in Baden und Württemberg anhand des vorliegenden Buches beleuchtet. Gerhard Zörb wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass in den Jahren nach dem 1. Weltkrieg viele Menschen, die in den bettelarmen Dörfern unserer Gegend keine Arbeit fanden, im Raum Mannheim beschäftigt waren. Folglich fühlten sich viele der hier lebenden Arbeiter auch zu Sozialdemokraten und Kommunisten hingezogen, welche besonders die Arbeiterstadt Mannheim dominierten. Mehrheitlich blieben die im ländlichen Raum wohnenden Menschen jedoch der Zentrumspartei zugewandt. Die Aufarbeitung der Geschichte der Weimarer Republik und der Nationalsozialisten in unserer Region greife ein wenig zu kurz, so Zörb, Arbeit für die ortsansässigen Geschichtshistoriker.

Die südwestdeutsche Sozialdemokratie hat eine ebenso pragmatische wie zukunftsweisende Koalitions- und Reformpolitik betrieben: Schon um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert, als die Reichs-SPD noch in
Revolutionspathos und Klassendenken verfangen war, haben badische und württembergische Sozialdemokraten mit einem modernen, konsensorientierten Politikstil Wahl- und Sozialreformen durchgesetzt, die in den meisten deutschen Ländern zu dieser Zeit noch undenkbar waren.

Auch später hat die SPD die südwestdeutsche Landespolitik weit stärker geprägt, als es ihr jeweiliger Stimmenanteil vermuten lassen würde - so vor allem in der Innen-, Kultur- und Sozialpolitik. Und schon lange vor der Gründung der Grünen haben baden-württembergische Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten
vehement eine Politik angemahnt, die Ökologie und Ökonomie versöhnt. Mit der Forderung nach einem „qualitativen Wachstum“ sind sie ihrer Zeit ebenso voraus gewesen wie 130 Jahre zuvor die südwestdeutschen „socialen Demokraten“ mit ihrem Streben nach „Freiheit, Wohlstand und Bildung für alle“. Und so wie diese haben sie den Anspruch erhoben, die gesamte Bürgergesellschaft zu vertreten: Sie
fühlten sich als politische Avantgarde - und verstanden sich als Volkspartei.

Der Vergleich mit der derzeit im Land mitregierenden SPD ließ Zörb deutliche Worte finden: Der politische Anspruch aus Geschichte und Gegenwart sei frappierend ähnlich und die Gefahr, sich als allumfassende Volkspartei zu definieren, führe leicht zum Verlust politischen Profils. Zudem begreife sich die im Bund regierende CDU ebenso als Volkspartei, bei umgreifender Übernahme sozialdemokratischen Gedankenguts und sozialer Zielsetzungen.
Wenn eine sozialdemokratische Partei ihre Wurzeln allzu nachlässig vergesse und im trüben neo-liberalen Wasser fische, brauche sie sich nicht zu wundern, wenn der mündige Bürger sich frage, wofür diese Partei stehe und wessen Interessen sie ursächlich zu vertreten habe. Mitglied in der SPD zu sein beinhalte u.A. einen gewissen Lobbyismus, nämlich Eintreten für die Belange jener Menschen, die nicht unbedingt zu den Gewinnern unserer Wohlstandsgesellschaft gehören. Wer seine eigenen Interessen im Fokus seines politischen Handelns sieht, sei in anderen Parteien wohl besser vertreten. Öfter gegen den Strom zu schwimmen sei halt nicht so einfach wie angepasst zu sein. Auch in der SPD diskutiere man akademisch über die Gleichstellung der Frauen in Führungspositionen und im Management – eine vehemente Forderung nach gleichen Löhnen für Frauen im unteren Lohnsektor entspräche eher sozialdemokratischem Verständnis.

Die dennoch spannende Geschichte der SPD Baden-Württembergs ist jetzt in einem reich bebilderten und spannend zu lesenden Abriss von rund 100 Seiten Umfang nachgezeichnet. Gilt es doch, „unsere aktuellen politischen Programme und Ziele immer auch in Beziehung zu setzen zu dem, wofür Generationen von Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten vor uns gekämpft haben und wofür sie nicht selten große Risiken und Gefahren eingegangen sind.“

Das kurzweilige Geschichtswerk kann noch bis zum 1. Mai 2013 zum Aktionspreis von 5 Euro pro Exemplar (zuzüglich Versandkosten) beim Landesverband erworben werden. Darüber hinaus ist sie in jedem SPD-Regionalzentrum Baden-Württembergs direkt erhältlich.

Gerhard Zörb

 

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